Kulturhaus Bruckmühle

DER LECHNER EDI SCHAUT INS PARADIES

unbenanntes Bild

Sonntag, 25. Okt. 2015 (Kleiner Saal)
Der Lechner Edi schaut ins Paradies
Theaterstück von Jura Soyfer, gelesen von Mitgliedern unseres Sommernachtstraum-Ensembles.

Eintritt: 12,00

Es geht um ein junges Paar, der Lechner Edi und seine Freundin Fritzi. Edi ist arbeitslos, sieht vor sich keine Zukunft. Da begegnen die beiden einer Maschine, einer Zeitmaschine. Die Maschine ist ja auch das Hassobjekt vieler Arbeitsloser gewesen, denn die Maschine hat sie ja um ihre Existenz gebracht. Edi und Fritzi setzen sich in diese Zeitmaschine, um den Fortschritt gleichsam rückgängig zu machen. Sie rasen die Zeit zurück. Die Entdeckungen und Erfindungen können aber nicht mehr rückgängig gemacht werden, also will man, um gleichsam das Unglück der Menschheit zu verhindern, auch die Schaffung des Menschen unmöglich machen. Sie kommen in ein Büro, in dem der Mensch erzeugt wird, und der arbeitslose Edi legt gleichsam Protest ein gegen die Erschaffung des Menschen und sagt zu Gott: "Greif oh Herr nicht in den Lehm, den du Adam willst benennen. Was du schaffst wirst du, nachdem du es schufst, nicht mehr erkennen."

Wichtig ist vor allem seine Produktion im Bereich des Theaters. In den Jahren 1936/37, in der Ära Schuschnigg, entstanden fünf Theaterstücke kürzeren Umfangs. Das zweite Stück davon, "Der Lechner Edi schaut ins Paradies", ist vielleicht das bewegendste und auch wichtigste dieser Stücke, ein Stück, das Gültigkeit hat weit über die Zeit seiner Entstehung, ein Stück, das gerade in der gegenwärtigen Situation von Bedeutung ist, denn es geht um Arbeitslosigkeit.

Ende 1937 wird Soyfer wegen illegaler Betätigung verhaftet, er kommt vor das Landesgericht und zwar wegen praktizierender Tätigkeit als Kommunist, wird allerdings 1938, am 17. Februar, also etwa einen Monat vor dem Einmarsch Hitlers, auf Grund einer Amnestie für alle politischen Häftlinge entlassen. Er ist 25 Tage in Freiheit und versucht zu fliehen, wird allerdings an der Schweizer Grenze verhaftet. Soyfer war knapp 26 Jahre alt, als er im KZ Buchenwald an Typhus starb. Umso beachtlicher ist das Werk - rund 1.000 Druckseiten -, das er hinterlassen hat.