Kulturhaus Bruckmühle

"Eichmann" von Rainer Lewandowski

unbenanntes Bild

Dienstag, 12. Mai 2015, 10 Uhr
"Eichmann"
(Schulvorstellung)

Gerne kann auch diese Vorstellung von einzelnen Interessierten besucht werden.

Karten: Erwachsene 12,-, Jugendliche 7,-

eine weitere Vorstellung gibt es am 13. Mai im "Offenen Kulturhaus" Vöcklabruck
Beginn: 20 Uhr

Nach seiner Entführung aus Argentinien begann am 29. Mai 1960 gegen 16.45 Uhr das Verhör des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann durch den israelischen Polizeihauptmann Avner Werner Less. Sie haben 275 Stunden lang miteinander gesprochen. Die Verhöre wurden auf Tonband aufgenommen und anschließend abgeschrieben. Es gibt 3564 Seiten Protokoll. Eichmann berichtet von seiner Politisierung in Linz und Umgebung und seiner Wiener, Prager und Berliner Zeit.


Das Stück zeigt wie und was Adolf Eichmann aussagt. Der Zuschauer nimmt die Position von Avner Less ein.
Das Verhör diente der Vorbereitung des Prozesses gegen Eichmann. Zeugenaussagen des Prozesses sind - neben anderen Texten - ebenfalls in das Stück aufgenommen.
Es handelt sich um Theaterstück, und ist trotz des dokumentarischen Charakters kein historisches Protokoll.
Es enthält Passagen, die, durch Mitteilungen bezeugt, Verhaltensweisen Eichmanns, seine Anordnungen, seine Begegnungen mit jüdischen Mitbürgern zeigen, die seiner Verteidigungsstrategie durchaus widersprechen können. So wird Eichmanns Prozess-Fassade im Laufe der Vorgänge löchrig.
Less über Eichmann:
„Eichmanns Verteidigung ist oft ein Gemisch aus Naivität und ungewöhnlicher Raffinesse. … Dieser Mann ist keine kleine Beamtenseele, bei ihm ist alles Taktik, um uns, seine Gegner, zu verwirren. … Er versucht krampfhaft, den Mythos des kleinen Transportoffiziers aufrecht zu halten. …
Eines Tages fragte mich Eichmann, ob er mir eine persönliche Frage stellen dürfte. Er möchte gerne wissen, ob ich noch Geschwister und Eltern habe. Als ich ihm darauf antwortete und ihm sagte, dass mein Vater mit einem der letzten Berlin-Transporte im Januar 1943 von Eichmanns Dienststelle nach dem Osten deportiert worden sei, riss Eichmann seine Augen weit auf und rief aus: ‚Aber das ist ja entsetzlich, Herr Hauptmann!”
(Avner Werner Less, Lüge! Alles Lüge!, Zürich, Hamburg 2012, S. 162 und S. 200)

Begleitet wird Eichmanns Aussage von einer Gruppe Menschen, die chorisch das historische Gegengewicht verkörpern: Das Textmaterial dieses Chors besteht aus nüchternen Fakten bis hin zu emotional tief berührenden Passagen aus Berichten und Zeugenaussagen.

Der ‚Chor’ begleitet, unter- oder widerlegt das von Eichmann Gesagte, beschreibt, erzählt, berichtet und kommentiert.