KUNSTSOMMER 2009 Erst Kunstausstellung, dann Blechimperium und Erzählungen, dann Sommertheater:
Bevor ab 16. Juli Regisseur Ulf Dückelmann das letzte Romanfragment Franz Kafkas zeichnet - wie kaum anders zu erwarten - ein Netz von Verstrickungen, Wahrheiten und frustrierten Lebens, das sich nur dadurch wehrt, dass es annimmt, ein Ziel zu haben, warten auf die Bruckmühle und auf alle Kunstinteressierten erst einmal außergewöhnliche Begegnungen:
Zuerst wird das gesamte Gelände der Bruckmühle zum öffentlichen Raum der Kunst. Der Vorarlberger Bildhauer Herbert Meusburger wird ab 26. Juni für drei Monate skulpturale Steinformationen positionieren und damit den Skulpturenpark vergrößern. Zusätzlich sind Arbeiten von19 Kunstschaffenden - darunter Namen wie Gabriele Berger, Herbert Friedl, Christoph Luger, Alois Riedl, Marga Person, Robert Oltay, Heinrich Salzmann, Erich Steininger u.v.a. - aus der Kunstsammlung der Bruckmühle ausgestellt.
Weiter geht es dann Anfang Juli mit einem Konzert der Anton Bruckner Privatuniversität. Das Ensemble Linz spielt „Bilder meiner Ausstellung” mit Christoph Cech - Komponist und Dirigent. Ein Blechimperium ohne Saxofone, nur eine Blech und Metal - Rhythmusgruppe verheißt Klang- und Variationsreichtum für die ganze Familie. Und nur einen Tag nach der Theaterpremiere „Das Schloß”, in einer Bearbeitung von Ulf Dückelmann, erzählt Kurt Palm vom „schönsten Tag der Woche”. Gemeint ist die Kolumnensammlung, die es innerhalb kürzester Zeit zu Kultstatus im Standard brachte: „Palmsamstag”. Wenn man den Reaktionen Glauben schenken darf, dann wird die künstlerische Arbeit des Autors und ein Auftritt der Mollner Maultrommler eine ganz besondere Mischung an Ton-Charakter, der zum Klingen gebracht wird. Und bevor sich der Vorhang des diesjährigen Kunstsommers wieder langsam schließt, stellt der Autor Cornelius Hell Ende Juli die Kulturhauptstadt Litauens als beeindruckende Erzählung und Bildgeschichte vor. Und mit dem Erzählband „Europa erlesen: Vilnius” führt die Kunstreise und das Stadtportrait wieder direkt zurück in die Romanfragmente Franz Kafkas im August und zu weiteren Vorstellungsterminen des Sommertheaters der Bruckmühle.
 Zeit war immer schon ein bevorzugtes Thema der darstellenden und bildenden Kunst.
Erfahrungen, Wissen bewahren wir in Bildern wie auch in unserer Sprache und dies über Jahrhunderte hinweg. Die Struktur unserer Sprache lenkt unser Denken über die Zeit.
Zeit wird in unserem Kulturkreis genützt, gespart, gewonnen oder vergeudet. In der Lebenspraxis kennen wir den selbständigen Umgang mit der Zeit.
In unserer Alltagssprache haben sich unterschiedliche Zeiterfahrungen herausgebildet:
Zeit verinnt
Zeit steht still
Zeit verbindet
Zeit trennt
Zeit heilt
Zeit
Und dann gibt es noch Kulturen, die die Dreiteilung Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht kennen, unterscheiden nur zwischen "Jetzt" und "Nicht Jetzt".
Der Kunstsommer 2009 mit dem Generalthema "ZEIT" ist
ein Blick in die vergangene Zeit
ein Blick über die Zeit-Klassen
ein Blick auf unser Zeit-Handeln
Alles was mit ZEIT gemeint ist, was Menschen unter Zeit verstehen ist einerseits mit dem Problem individueller, sozialer und gesellschaftlicher Lebensbewältigung verbunden, welche sich in der Sprache deutlich ausdrückt.
Mit dem Start eines neuen Kunstsommers 2009 und dem Einstudieren einer neuen Stückfassung befinden wir uns an der Schnittstelle zwischen Sprache und Form des Alltagslebens, das in jedem dramaturgischen Text zum Ausdruck kommt.
Was Ihr den Geist der Zeiten heißt
Das ist der Herren eigener Geist
In dem die Zeiten sich bespiegeln
Nach Goethe (Faust I)
Das kleine Städtchen Güllen nahe der deutsch-schweizerischen Grenze, eine einst stolze und wohlhabende Stadt, ist völlig verschuldet. Nun klammert man sich verzweifelt an die letzte große Hoffnung: den Besuch der alten Dame Claire Zachanassian.
In dieser Kurzbeschreibung und "Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt haben nicht nur der Regisseur Ulf Dückelmann und das Ensemble der Bühne Bruckmühle eine erfolgreiche und für die Bruckmühle und der Region neue Gattung des Somertheaters im öffentlichen Raum dargeboten.
Mit dem Theaterpilotprojekt im Sommer 2006 begab sich die Bruckmühle in Fortsetzung und Ausdehnung der Sommerprojekte in ein neues faszinierendes Kunst- und Kulturfeld, dass seit FEST (2007) und LAND (2008) unter einem Generalthema steht.
Die Faszination, die dieses Kunstkonzept ausübt liegt darin begründet, da zahlreiche Kunstschaffende der Kunstsparten Theater, Literatur, Ausstellung und Komposition daran mitwirken und in der Bruckmühle Kunst positionieren.
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